29.01.2010
Neue Stoffe braucht das Land
Woran orientiert sich ein Unternehmen, das Stoffe für Ausstattung und Dekoration eines Raums entwirft und produziert? Es sucht sich seine Inspirationsquellen im Tagesgeschehen, in der Mode oder in der eigenen Reflexion. Der Schweizer Textilkonzern Création Baumann nimmt sich da nicht aus, ganz im Gegenteil. Selbstbewusst steht man zu einer gedanklichen Liaison mit der Haute Couture, und so wird es für das Jahr 2010 Menswear sein mit bekannten Mustern, die neu interpretiert werden. „Vorbild für die hochwertige Kollektion von Dekorationsstoffen 2010 ist die aktuelle Männermode. Klassische, britisch angehauchte Anzugmuster wie Fischgrät oder Hahnentritt werden in Form von Vorhangstoffen, Möbel- oder Kissenbezügen in den Interiorbereich übertragen“, sagt die Produktmanagerin von Création Baumann, Eliane Ernst. „Weit entfernt vom verstaubten Retro-Image zitieren die Entwürfe jene klassischen Elemente und passen sie auf verspielte Art und Weise dem Zeitgeist an. Im Unterschied zum alten Tweed-Blazer besteht hier übrigens keine Kratzgefahr:
Die eleganten Stoffe sind vorwiegend aus Naturmaterialien wie Wolle und Baumwolle oder Mischformen hergestellt, drei weitere Artikel aus Trevira CS. Zurückhaltend schick wirkende Natur- und Sandtöne beherrschen die Menswear-Serie. Wer sich traut, kann jedoch mit modischen Trendfarben Akzente setzen. Einige der Stoffe können auch als Möbelbezugstoff genutzt werden. Aufgrund ihrer flammhemmenden Eigenschaften kann man die Kollektion nicht nur im Eigenheim, sondern auch in öffentlichen Räumen verwenden.“ Einem neuen Trend zufolge, der das heurige Jahr kennzeichnet, kehrt in die qualitätsgewohnte, klassisch-moderne Wohnung so etwas wie Demut ein. Eine neue Ernsthaftigkeit, mit der Design auf Werte wie Nachhaltigkeit und Beständigkeit überprüft wird. Auf die klassische Frage nach den Trends aus der eigenen Sicht bestätigt Eliane Ernst diese Prognose: „Wertige, dezente Stoffe. Nach dem ganzen Überfluss an Design, an Opulenz sind wir gesättigt. Wir suchen Dinge, die uns ein Stück Lebensqualität geben. Ruhig und unaufdringlich. Dinge, die gut gemacht sind, von guter Materialqualität und gut gestaltet.“

Buntes Farbenspiel: Astralux von Création Baumann.
Selbstverständlich setzt auch das österreichische Traditionsunternehmen Backhausen auf höchste Qualität. Und hat dabei ganz raffinierte, ambitionierte Ansätze. Gefragt nach den wichtigsten Materialien, antwortet Maria Grümeyer, Marketingfachfrau von Backhausen, ganz ohne Umschweife: „Wir verwenden zu 90 Prozent Trevira-CS-Garne, da diese von Grund auf flammhemmend sind und nicht nachträglich durch Einsatz von Chemie behandelt werden müssen, um die Brandschutzbestimmungen im Objektbereich zu erfüllen.“ Der mehrheitliche Einsatz des Textils begründet sich aber auf einer Innovation, die Stoffgeschichte schrieb. „Mit einer Entwicklungszeit von zwei Jahren haben wir die Produkte, die aus dieser Hochwertfaser entstehen, noch weiterentwickelt, indem während des gesamten Fertigungsprozesses – von der Garnfärbung über den Webprozess bis hin zur Endausrüstung – chemisch bedenkliche Stoffe extrahiert wurden. Dadurch ist es möglich, die Stoffe nach Gebrauch einem Wiederverwertungskreislauf zuzuführen. Diese Stoffe haben auf Anhieb das Cradle-to-Cradle-Gold-Zertifikat bekommen.“
Während Création Baumann sich also gerne verschiedener Materialien bedient, um die Kollektion 2010 mit hochwertigen Qualitäten in edlen Naturmaterialien, kombiniert mit technischen Garnen, zu realisieren, und auf klassische Stoffe setzt, die durch den Einsatz von Materialkombinationen aber zeitgemäß interpretiert werden, schlägt Backhausen seinen eigenen Weg ein und „beschränkt“ sich auf ein einziges zukunftsweisendes Material aus eigener Entwicklung. „Wir haben diese Produkte mit dem Namen Returnity im Herbst des Vorjahres im Markt eingeführt. Diese innovativen Möbel- und Vorhangstoffe sind bei den Kunden so gut angekommen, dass wir seit Juli 2009 unsere Gesamtpalette an Trevira-CS-Stoffen nach dieser umweltfreundlichen Technologie produzieren“, lässt Maria Grümeyer nicht ohne Stolz wissen. „Einige große Stoffverleger sind vom Returnity-Konzept überzeugt und lassen bereits Stoffe bei uns produzieren. In weiterer Folge übernehmen andere Produzenten diese Technologie auf Lizenzbasis.“
Und sie gibt einen kurzen Überblick über die Highlights 2010: flauschige Oberflächen, dreidimensionale Optiken, Hoch-Tief-Effekte, Verwendung von verschiedenen Effektgarnen sowie entweder große nur punktuell eingesetzte Motive oder schlichte Musterungen mit Naturcharakter.
(Redaktion: Barbara Jahn, Color)

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