Industrie
12.05.2010
Nur teilweise optimistisch
Die chemische Industrie und die Baustoffindustrie mussten 2009 herbe Rückgänge verzeichnen. Für heuer kündigt zumindest der Chemie-Hauptverband eine Beruhigung an.

Die chemische Industrie hat schon bessere Tage erlebt: Mit rund 12,2 Milliarden Euro Produktionswert – die tatsächlichen Umsatzeinbußen werden nicht verraten – hat die chemische Industrie 2009 einen Rückgang von 13,5 Prozent hinnehmen müssen und fiel auf das Niveau von vor 2006 zurück. „Einen derart starken Einbruch hatte die Chemie in der gesamten Nachkriegsgeschichte nicht zu verzeichnen. Im Vergleich schlug sich die Erdölkrise 1974 mit gerade einmal -1,3 Prozent zu Buche“, erklärte Peter Untersperger, Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie (FCIO). Im ersten Halbjahr 2009 schrumpfte die Produktion um 17,5 Prozent und erholte sich im Verlauf des Jahres nur langsam. Der gesamte Export war im Krisenjahr 2009 um 10,4 Prozent rückläufig, nach Westeuropa sogar um 17 Prozent. Besonders kritisch: Die Investitionen der Branche reduzierten sich um 14,9 Prozent auf 752 Millionen Euro und werden 2010 noch weiter sinken. Im ersten Halbjahr 2010 wird von der chemischen Industrie nach der kürzlich durchgeführten Konjunkturumfrage des Fachverbands eine Verbesserung der Geschäftslage erwartet. Geschätzt wird ein Anstieg der Produktion um 4 Prozent. In Bezug auf den Beschäftigtenstand verzeichnet die Branche eine Stabilisierung. Die chemische Industrie hatte im Vorjahr 41.400 Mitarbeiter, im Vergleich zu 2008 ein Rückgang von 4,7 Prozent oder rund 2000 Personen. „Erfreulich ist, dass die Lehrlingsausbildung weiter hoch gehalten wird. So gab es zum Jahresende 2009 insgesamt 1577 Lehrlinge in der chemischen Industrie, ein Rückgang von nur einem Prozent“, betonte Untersperger. Einzelne Branchen verzeichneten 2009 besonders starke Rückschläge – allen voran jene Bereiche, die in den Fahrzeugsektor liefern. Und: Der Bereich Lacke und Farben verzeichnet ein Minus von 20,6 Prozent.
Der Baustoffindustrie droht ein Minus
Wenig Freude kommt angesichts der Jahresbilanz 2009 auch beim Wirtschaftskammer-Fachverband Steine-Keramik der Wirtschaftskammer auf: Mit einem Gesamtumsatz von 3,2 Milliarden Euro müssen Obmann Manfred Asamer und seine Stellvertreter Bernd Wolschner und Robert Schmid einen Einbruch von knapp 11 Prozent hinnehmen.
Und der Weg durch die Wirtschaftskrise gestaltet sich weiterhin steinig. Für heuer steht ein neuerlicher Rückgang von rund 7 Prozent bevor. „Die großen Bauherren wie Asfinag und ÖBB haben ihre Ausgaben drastisch reduziert“, sieht Branchenchef Asamer noch lange kein Licht am Ende des Tunnels. Und auch die Zahl der Beschäftigten ist mit 7,4 Prozent weniger Mitarbeitern rückläufig.
Als Hauptübel und zugleich naheliegender Weg aus der Misere gilt der Wohnungsneubau. Asamer: „Der liegt mehr oder weniger im Argen. Als Branche sind wir aufgefordert Wege aufzuzeigen.“ Jährlich sei ein Bedarf von mehr als 50.000 neuen Wohnungen in Österreich gegeben, demgegenüber sanken allerdings die Baubewilligungen 2009 um 10 Prozent auf knapp 36.600. „Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht zu unleistbarem Luxus werden, es ist ureigenste Aufgabe eines Staates, hier gegenzusteuern“, gibt Asamer die Devise in Richtung Politik aus. Kommt keine öffentliche Hilfe, droht 2010 ein weiterer Beschäftigungsabbau.
(Redaktion: Helmut Melzer, Color)

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