12.07.2010
Effektvoller Boden

![]() Trend in Büro und Wohnraum: Bodenbeschichtungen |
Text: Helmut Melzer
Zahlreiche Innovationen und Produkte, die ursprünglich für extreme Ansprüche etwa der Industrie entwickelt wurden, erreichen immer wieder über Trends den Massenmarkt. Das gilt nun auch verstärkt für Bodenbeschichtungen. Denn die fugenlose Alternative zu Bodenbelägen kann durch ihre vielen Vorteile nach Industrieböden und vielen Spezialanwendungen in Krankenhäusern oder Gastronomie- und Hotelleriebetrieben nun selbst im Büro- und Wohnbereich punkten. „Aufgrund der einfachen Pflege sind Bodenbeschichtungen auch in öffentlichen Gebäuden immer beliebter“, bestätigt etwa auch Erika Koller vom Farbenvertriebs-Unternehmen Sefra. Aktuell sind im modernen Wohnraum Stabilität und Funktionalität wesentliche Faktoren.
Wenn auch Bodenbeschichtungen nicht unbedingt in erster Linie im Wohnzimmer Anwendung finden, der Trend in der Architektur in Richtung glatte und fugenlose Beschichtungen findet seine Plätzchen: Im Bad- und Sanitärbereich genauso wie in Freizeit- und Zweckräumen. Was besonders die Maler freut, sind sie doch erster Ansprechpartner, wenn es darum geht, hoch glänzende oder matte, mit Chips oder dekorativ gestaltete Oberflächen zu schaffen. Seit den frühen 70er-Jahren heißt das Zauberwort Epoxidharz.
Die damalige Erkenntnis: Durch den Einsatz der neuen Bodenbeschichtungen statt lösemittelhaltigen Bodenimprägnierungen können Unmengen an organischen Lösemittel (VOC) eingespart werden. Und: In Kombination mit entsprechenden Härtern eignen sich Flüssigharze bestens als Bodenversiegelung, da sie sehr gut in mineralische Untergründe eindringen und zudem enormen Belastungen widerstehen. Bei allen Vorzügen, ganz so einfach ist die praktische Umsetzung dann selbst für den Handwerker nicht, wie Branco Hinic von Remmers, einem der zahlreichen Hersteller von Bodenbeschichtungssystemen, weiß. Besonderes Augenmerk gilt dem Untergrund.
Hinic: „Basis für ein ideal abgestimmtes Bodenbeschichtungssystem ist die fundierte Analyse dessen, was vorliegt. Eine Untergrundvorbehandlung ist Grundvoraussetzung.“ Gemeint: Zu berücksichtigen gilt es unter anderem Bodenrestfeuchte, Druckfestigkeit, Saugfähigkeit sowie Verunreinigungen und Belagsreste. „Das ist auch der Grund, warum wir regelmäßig Seminare rund um Technik und Design von Bodenbeschichtungen veranstalten“, verweist auch Koller auf das nötige Know-how. Allzu oft ist ein Schleifen eines Estrichs, jedenfalls aber die penible Reinigung des Untergrundes notwendig.
Erst dann kann es wirklich losgehen: Je nach System sind unterschiedliche Schichten wie Imprägnierung, Versiegelung, Fließbelag, Einstreubelag und Kunstharz aufzutragen. Der Gestaltung sind schlussendlich längst keinerlei Grenzen gesetzt. Farbmischungen mit Chips etwa bekommen wohl durch den vorherrschenden Retrolook-Trend wieder neuen Aufwind. Doch auch die Vermischung der dickflüssigen Beschichtung in unterschiedlichen Farben nimmt geradezu künstlerische Ausmaße an – und setzt damit auch ein Quäntchen an Farbgefühl und Erfahrung voraus.

COLOR
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