14.03.2007
Malerbetrieb Schmied - Der menschliche Faktor
Begonnen hat der Aufstieg des Malerbetriebes Schmied in der Nachkriegszeit: Die sowjetische Besatzungsmacht hatte das Land noch im Griff, als Franz Schmied im Frühjahr 1955 im Festsaal eines Gasthauses in Pyhra seine Malerwerkstatt eröffnete. Jedes Mal, wenn der Saal für Veranstaltungen benötigt wurde, musste er seine Werkstatt räumen. Zwei Jahre später übernahm Franz Schmied einen Malerbetrieb in St. Pölten. Und es ging ständig aufwärts: 1967 eröffnete der Unternehmensgründer einen Zweigbetrieb in Wien, 1973 erwarb er einen Betrieb in Krems.
Schon im Jahr 1969 erwarb der Malermeister ein Schilderherstellungsunternehmen. Beide Branchen sind zwar eng miteinander verwandt – im Niederländischen nennt man heute noch die Maler „Schilderer“, weil von altersher die Herstellung von Schildern zu den hauptsächlichsten Aufgaben der Maler gehörte – für Franz Schmied ergab sich daraus der Einstieg in die Werbetechnik, mittlerweile des zweite Standbein des Konzernes. Seit dem Jahr 2000 ist die Konzernholding eine Aktiengesellschaft, der die beiden Sparten Maler Schmied G.m.b.H. und Werbetechnik Schmied G.m.b.H. unterstehen. Was das Geheimnis dieses stetigen Erfolges ist, verrät Mag. Gernot Kern, zusammen mit Bruno Schmied, dem Sohn des Firmengründers, Geschäftsführer des Malerbetriebes Schmied. „Schon unser Gründer hat von Anfang an darauf geschaut, die Kosten im Griff zu haben“, erläutert Kern. „Die Kostenrechnung wurde bei uns schon in den 60er-Jahren eingeführt. Und ohne Kostenrechnung geht gar nichts.“ Ein zweites Erfolgsgeheimnis ist die Beteiligung der Mitarbeiter am Ertrag. „Das schafft zusätzlichen Anreiz bei den Arbeitern“, ist Mag. Kern überzeugt.
Alles in allem beschäftigt der Familienkonzern mittlerweile rund 400 Mitarbeiter, den Löwenanteil davon, rund 350, in der Malersparte. Die übrigen Mitarbeiter kümmern sich um die Werbetechnik, die längst nicht mehr nur Schilder malt. Der Digitaldruck und die Herstellung von Transparenten gehören mittlerweile auch zum alltäglichen Geschäft. Im Geschäftsjahr 2005/06 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von beachtlichen 22 Millionen Euro.
Der Werdegang des Geschäftsführers spiegelt einen weiteren Geschäftszweig des Malerkonzerns wider: Nach Absolvierung einer HTL für Werkstofftechnologie beschäftigte sich Gernot Kern mit Wärmeschutzfassaden. Dann studierte er an der Wiener Wirtschaftsuniversität. Seit sechs Jahren arbeitet er für Schmied.
Der menschliche Faktor spielt in der Firmenphilosophie eine hervorragende Rolle. „Wir achten sehr auf unsere Mitarbeiter“, versichert Kern. „Wir haben einen hohen Stammanteil und enge Kundenkontakte. Deshalb müssen wir nicht jeden Auftrag vom freien Markt holen.“ Einen hohen Stellenwert räumt der Geschäftsführer auch dem Qualitätsmanagement ein: „Es ist unser Bestreben, unsere Leistung so zu erbringen, dass der Kunde keinerlei Probleme hat.“
Das wohl spektakulärste und edelste Objekt, an dem die Maler der Firma Schmied gearbeitet haben, war die Generalsanierung des Schlosses Schönbrunn in den 80er-Jahren. Und immer noch ist die Firma Schmied der „ewigen Baustelle“ in der Kaiserresidenz verbunden. „Im Moment malen die Mitarbeiter unserer Kremser Filiale das Affenhaus im Schönbrunner Tiergarten“, verrät Kern. Aber auch zahlreiche andere prestigeträchtige Bauten in Wien haben die Maler von Schmied schon auf Hochglanz gebracht: das Wiener Rathaus, das Parlament, das Hauptgebäude der Universität, das Postsparkassenamt von Otto Wagner und jüngst das Palais Epstein zwischen Parlament und Naturhistorischem Museum.
Angesichts solcher Praxis in der Renovierung öffentlicher Gebäude und Sehenswürdigkeiten haben die Schmied-Mitarbeiter hohe Standards im Denkmalschutz entwickelt. Eine besondere Herausforderung war jüngst die Aula im Hauptgebäude der Universität Wien. Sie war in einer Lasurtechnik auf Naturfarbenbasis auszuführen, um den Untergrund so unverfälscht wie möglich zur Geltung kommen zu lassen. Zuvor waren aber noch die Leimfarben früherer Renovierungen zu entfernen und dann die Stuckatur zu restaurieren.
All die Erfolge der zurückliegenden Jahrzehnte sind aber kein Anlass, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Mag. Kern hat klare Vorstellungen, wo das Unternehmen in zehn Jahren stehen soll: „In zehn Jahren wollen wir weiter gestreut sein. Bisher beschränkt sich unser Markt im Wesentlichen auf Wien und Niederösterreich. Wir wollen neue Märkte im Osten bzw. in unseren Nachbarländern erschließen und unser Angebot mit innovativen Produkten auf dem Sektor des Baunebengewerbes erweitern.“ Die geplante Expansion in neue Märkte heißt für Kern freilich nicht, Leistungen aus Wien, Krems oder St. Pölten ins nördliche und östliche Ausland zu exportieren, sondern – so wie schon in den vergangenen Jahrzehnten in Wien und Niederösterreich – Unternehmen aufzukaufen oder neue Standorte zu gründen. Wo Schmied als Erstes zuschlagen will, verrät der Geschäftsführer noch nicht: „Wir sind momentan in der Evaluierungsphase.“
Sein Engagement auf den Märkten im Osten sieht Kern als Absicherung des heimischen Marktes. „Momentan ist es ja so, dass ausländische Firmen auf den Wiener Markt drängen“, beobachtet er, „vor allem Betriebe aus der Slowakei.“
Dabei hat die heimische Malerbranche ohnehin unter stagnierenden, teilweise sogar leicht fallenden Preisen zu leiden. „Der öffentliche Sektor ist stark zurückgegangen“, macht Mag. Kern die Entwicklung weniger an auswärtigen als an hausgemachten Ursachen fest. „Das wird zu einer Minderung des Gesamtangebotes auf dem Markt führen. Dazu kommt, dass in der Althaussanierung der technologische Fortschritt bei den zur Verfügung stehenden Produkten die Sanierungsintervalle verlängert. Waren Sanierungen früher alle 15 Jahre fällig, halten die heute verwendeten Produkte 20 oder 25 Jahre.“ Marktchancen macht Kern auf dem Neubausektor aus, wo die Konjunktur im Steigen begriffen ist, während sonst das Marktvolumen stagniert.
Doch der Wille zur Expansion führt im Hause Schmied zur Investition in die Zukunft: 55 Lehrlinge bildet Schmied momentan aus. Vor allem der St. Pöltner Betrieb kann sich über mangelnden Nachwuchs nicht beklagen. „Gerade in St. Pölten haben wir ein sehr gutes Potenzial von Lehrlingen, die recht tüchtig sind und auch bei Lehrlingswettbewerben immer wieder auf sich aufmerksam machen“, berichtet Kern. In der Großstadt hingegen ist es weit schwieriger, fähige Lehrlinge zu bekommen. „Wir haben in Wien 150 Bewerbungen pro Jahr, von denen wir aber nur fünf aufnehmen“, erzählt der Geschäftsführer. „Die meisten Bewerber aus Wien suchen nur irgendeine Lehrstelle und interessieren sich nicht wirklich für den Malerberuf.“ Dazu komme das schwache schulische Niveau. Der Manager weiß: „Es kommt nicht auf die Zeugnisse als Beurteilungskriterium an, sondern auf den Hausverstand.“ Weitere Mankos der Ausbildung vor allem der städtischen Jugend: „Sie bekommen den Ernst des Lebens nicht vermittelt. Es fehlt am Benehmen. Und die meisten wissen keine Antwort, wenn man sie fragt, warum sie diesen Beruf ergreifen wollen.“ Leider, beobachtet Kern, finden sich diese Mankos auch bei Kindern von langjährigen, guten Mitarbeitern. Und deshalb setzt man bei Maler Schmied die Nachwuchshoffnungen eher auf den ländlichen Raum. Denn der menschliche Faktor ist, wie erwähnt, bei Schmied wichtig für den geschäftlichen Erfolg.
von Ralf Siebenbürger
Kontakt

Gernot Kern
Niederlassung Wien: Pohlgasse 31, 1120 Wien
Tel.: (01) 813 96 11-0, Fax: (01) 813 96 11-9,
E-Mail: Adressat
Niederlassung St. Pölten:
Mühlweg 72–74, 3100 St. Pölten
Tel.: (02742) 36 85 30-0, Fax: (02742) 36 85 30-19,
E-Mail: Adressat
Niederlassung Krems:
Austraße 1, 3500 Krems
Tel.: (02732) 82 762-0, Fax: (02732) 82 762-19,
E-Mail: Adressat
Artikel aus: Color 03/07, S. 8f

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