Text: Cecile M. Lederer
03.12.2008
Faszination Chemie
Unter dem Motto „Faszination Chemie“ fanden vom 13. bis zum 18. Oktober 2008 in ganz Österreich an über 110 Schulen Aktionstage statt. Volksschüler und Schüler der SekundarÂ-stufe I zeigten spannende Experimente und bewiesen eindrucksvoll wie faszinierend und lebendig Chemie sein kann. ChemielehrerÂInnen standen tatkräftig zur Seite und auch die Eltern waren eingeladen, gemeinsam mit ihren Sprösslingen hinter die Kulissen dieser Naturwissenschaft zu blicken und zu erkennen, dass die Chemie Teil unseres Lebens ist, vor der man sich nicht zu scheuen braucht. Das Signal an die Politik und die Wirtschaft war damit unmissverständlich: Der Grundstein innovativer NachwuchsÂkräfte für die chemische Industrie liegt in den Schulen. Davon konnten sich FCIO-Obmann ÂÂDr. Peter Untersperger, Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs FCIO und der Sektionschef des Unterrichtsministeriums Dr. Anton Dobart vor Ort überzeugen. Die Schüler der KMS Steinbauergasse führten vor Augen, wie lebensnah und aufregend der Chemieunterricht sein kann. Experimente, Vorträge und Exkursionen sorgten für ein abwechslungsreiches Programm, zudem wurden die Schulen mit einem speziell für die Aktionstage zusammengestellten Experimentierset ausgestattet, in dem die TeilnehmerInnen vielfältige Materialien inklusive Versuchsanleitung zum Thema „Chemie des heutigen Lebens“ fanden. Das Programm baute auf den großen Erfolgen der „Woche der Chemie“ 2004 und 2006 auf, wo mehrere Tausend Schüler begeistert an den Schulaktivitäten teilnahmen. Dr. Peter Untersperger, freut sich deshalb sehr über das Interesse der Jugendlichen an den Aktionstagen, weil - so Untersberger: „Gut ausgebildete Arbeitskräfte sind genauso wie Forschung und Entwicklung ein bedeutender Kapitalfaktor. Die österreichischen Chemieunternehmen leben von Innovationen. Um diesen Standard weiterzuführen, benötigen wir dringend Nachwuchs. Der Grundstein für ein Interesse an der Chemie muss allerdings schon in der Schule gelegt werden.“ Mit den Aktionstagen sollen daher neue Akzente für den ChemieÂunterricht in Österreich gesetzt werden.
Der Chemieunterricht heute
Derzeit sind die naturwissenschaftlichen Fächer – insbesondere der Chemieunterricht - im Vergleich zu anderen Fächergruppen unterrepräsentiert. In den ersten vier Jahren Unterstufe wurde der Chemieunterricht auf zwei Wochenstunden reduziert. Abgesehen davon, dass diese Stundenkürzung volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe anrichtet sprechen internationale Vergleichsdaten für sich: Nach der PISA-Studie 2006 gibt es in Österreich im Bereich der Naturwissenschaft 16 Prozent Risikoschüler/innen. Verglichen zu den meisten europäischen Ländern haben Österreichs Schüler/innen außerdem deutlich weniger Freude und Spaß am Lesen und Lernen über naturwissenschaftliche Themen. Zusammengefasst bedeutet das, dass es bisher noch nicht gelungen ist, Jugendlichen den hohen Stellenwert und die Möglichkeiten innerhalb der naturwissenschaftlich-technischen Berufe ausreichend näher zu bringen.
Der Chemieunterricht morgen
Erfolge bei der Internationalen ChemieÂolympiade in Moskau 2007 und Budapest 2008 - bei der die Österreicher mit vier Silbermedaillen heimkehren konnten - zeigten, dass Österreichs SchülerInnen grundsätzlich begabt sind. Um Interesse, Neugier und Begabung möglichst früh zu fördern, wäre es wünschenswert, dass naturwissenschaftliche Inhalte bereits an den Volksschulen angeboten werden und Österreichs SchülerInnen eine fundierte und stärker praxisorientierte, chemische Basisausbildung erhalten, da der gesamte Bereich der Life Sciences auf Erkenntnissen der Chemie beruht. Eine Erhöhung der Anzahl an Unterrichtsstunden in den naturwissenschaftlichen Fächern in der Sekundarstufe I ist daher unumgänglich. In der ersten und zweiten Klasse sollen drei Wochenstunden Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) angeboten werden - davon eine Stunde als Übungs- und Experimentierstunde. In der dritten und vierten Klasse sollen dann jeweils zwei Wochenstunden Biologie, Chemie und Physik unterrichtet werden – mit der Möglichkeit, Experimente mit einer geteilten Gruppe (Klasse) durchführen zu können (zum Beispiel kann eine Semesterwochenstunde auf das ganze Schuljahr so aufgeteilt werden, dass im Durchschnitt jede zweite Stunde experimentiert werden kann). Der Unterricht in Kleingruppen ermöglicht dabei mehr Praxisnähe und Flexibilität. Jedoch können Begabungen nur dann gefördert werden, wenn engagierte und asugebildete LehrerInnen Förderunterricht anbieten Die kontinuierliche Fortbildung der Lehrkräfte soll stärker betont werden. Die Basis für spannende „Chemie-Übungen“ ist aber die bessere Ausstattung der Schulen mit den notwendigen Räumlichkeiten und Utensilien.
Mehr zum Thema: www.fcio.at und www.vcoe.or.at/verband/index.php.

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