Text: Prof. Karl Albert Fischer
03.12.2008
Winterdepression
Die „Winterdepression“, auch SAD genannt (Seasonal Affective Disorder), ist eine anerkannte Krankheit.Die „Unordnung“, die damit gemeint ist, findet in einer der höchstempfindlichen Schichten des menschlichen Organismus statt: in der Zeit-Koordination. Dass bei uns Stimmung und Leistungsfähigkeit im Winter oft zu wünschen übrig lassen, beschrieben schon Ärzte im antiken Griechenland vor mehr als 2.000 Jahren, z. B. Hippokrates (460 – 375 v. Chr.). Und das nicht nur bei psychisch labilen, sondern auch bei sonst ganz gesunden Mitmenschen. Das hat sich auch heute nicht geändert. Einbrüche von Stimmung und Antrieb können schon im Spätherbst beginnen, oft lösen sie sich erst im Frühling wieder auf.
Welche sind die wichtigsten Symptome? Und vor allem: Kann man etwas dagegen tun? Wir sind genetisch eigentlich Tropenwesen. Wir können uns nicht ohne weiteres auf dunkle, von trübem Wetter belastete Herbst- und Wintersaisonen umstellen, auch nicht nach jahrtausende langem Umgewöhnungstraining, denn diesem stehen fünf Millionen Jahre ostafrikanischer Frühentwicklung gegenüber. Dieser Lichtbedarf ist uns unauslöschlich eingeprägt: Durch unsere Erbanlagen. Nicht alle Menschen haben damit Schwierigkeiten, Prof. Funk von der Universität Dresden äußert die Vermutung, manche menschlichen Stämme wären schon sehr früh in den „Norden“ gezogen und kämen damit ein wenig besser zurecht. Aber die große Mehrzahl leidet: An Müdigkeit, Lustlosigkeit, mangelnder Durchhaltekraft und Immunschwäche. Ein unbestimmtes Gefühl macht sich breit und schafft unsere permanente Sehnsucht nach der sonnigen Ferieninsel, nach den Tropen mit Licht, Farben und Blütenduft. Leider sind die saisonal abhängigen Depressionsformen den meisten Laien und sogar vielen (Haus-)Ärzten noch immer nicht wirklich geläufig. Aber mit den Erkenntnissen aus neuer Lichtwissenschaft gelingen heute zwei Dinge: Bessere Aufklärung und zielführende Prävention. Denn man kann diese Art Beschwerden erstaunlich gut behandeln, und zwar erstens auf dem natürlichen Weg – durch viel Tageslicht, zB. einen täglichen Gesundmarsch im Freien. Und anderseits durch künstliches Licht: Schon zu Beginn unserer Einwanderung in die winterdunklen Zonen Asiens und Europas haben die Menschen das Feuer beherrscht, und dieses garantierte ihnen nicht nur ergänzendes Licht, sondern auch das Überleben. Unser Organismus zeigt einen 24-Stunden-Rhythmus („zirkadianer Rhythmus“), und zwar sowohl im täglichen Verhalten als auch bei den physiologischen Funktionsabläufen. Betroffen sind zB. Körpertemperatur, Stoffwechsel, Herztätigkeit und vieles andere. Ursache dafür sind so genannte Zeitgeber, und hier ist es allen voran das Licht mit seinem Hell-Dunkel-Wechsel, das den „endogenen Rhythmus“ – die täglichen inneren Lebensvorgänge – steuert und aufrecht erhält. Der Augenarzt Prof. Hollwich wies auf solche Dysfunktionen hin, besonders bei Blinden waren diese zu beobachten. Was ihn aber erstaunen ließ: Nicht bei allen Blinden traten diese Störungen auf, sondern nur bei jenen, wo der Sehverlust vom Gehirn kam und Auge wie Sehnerv intakt waren. Dieser Umstand verursachte ein „zweites“ Auge beziehungsweise einen „energetischen“ Sehnerv, der das gesamte Nervensystem, Drüsen und Hormone speist. Wie können wir im Winter diese innerlichen Rhythmen gut aufeinander abstimmen? Am besten mit Kunstlicht aus „Temperaturstrahlern“. Das sind alle Lampen, die einen echten Glühfaden haben, also die moderne Halogenglühlampe und die „gute alte“ Glühlampe. Nur diese sind in ihrem Lichtspektrum wirklich „sonnen- oder tageslichtgleich und verdienen das Prädikat „Vollspektrum“. Nur sie wurden vor wenigen Wochen auf dem Jahreskongress der internationalen Licht-Vereinigung ILA in Heidelberg von Therapeuten und Ärzten empfohlen, während dem Gasentladungslicht kritisch zu begenen sei. „Licht ist Farbe“ – dieser Satz des Österreichischen Instituts für Licht und Farbe bedeutet, dass wir nur spektral vollfarbig beleuchten sollen. Monochromes Licht unterstützt sogar den Heilungsprozess bei diversen Krankheiten, wie viele neue Farblicht-Therapien beweisen.
„Licht ist Szene im Raum“ bedeutet, dass gute Lichtplanung unterschiedliche Zonen schafft, Lichtinseln der Gemütlichkeit. Wichtig: „Licht ist Zeitphase und Wechsel“ erfordert: Dimmen, Schalten von verschiedenen Lichtstimmungen – damit folgen wir dem Tagesrhythmus des natürlichen Lichtes.

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