03.12.2008
"Vogelnest" sorgt für Furore
Das von dem renommierten Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron geplante und im Volksmund liebevoll „Vogelnest“ genannte Nationalstadion liegt auf einer leichten Erhöhung im Zentrum des Olympischen Komplexes im Norden von Peking.
Innovative Spezialbeschichtung
Mit einem ganz speziellen, leuchtend roten Farbton sollten sämtliche Wandflächen des Pekinger Stadions beschichtet werden, die Farbe trägt somit wesentlich zum Charakter und äußeren Erscheinungsbild des neuen Wahrzeichens bei. „Dass wir den Auftrag letztendlich bekommen haben, lag aber nicht nur daran, daß wir Herzog & de Meuron von unserem Produkt überzeugen konnten, sondern auch an der hohen Fachkompetenz mit einer eigenen Niederlassung vor Ort“, ist sich Andreas Gradinger, Leiter Planer- und Objektmanagement, sicher. Produziert wurde das „neue“ Rot größtenteils in Peking, und auch die Verarbeitung erfolgte fast ausschließlich durch chinesische Fachkräfte. Dennoch war weitere Kompetenz aus Deutschland gefordert. Nachdem die Bauarbeiten so weit vorangeschritten waren, daß im Juli 2007 mit der Beschichtung der gut 90.000 Quadratmeter Wandflächen begonnen werden konnte, erfolgte eine technische Einweisung der Arbeiter. Dazu wurde ein vierköpfiges Team aus der Caparol-Zentrale in Ober-Ramstadt, Deutschland, zusammengestellt, zu dem auch Anwendungstechniker Henrich Bombala gehörte. Gemeinsam mit den Kollegen der Caparol-Gesellschaft in China starteten sie zu einer dreiwöchigen Schulung der Handwerker nach Peking. „Ich komme ja viel rum, aber eine Baustelle von solchen Ausmaßen hatte ich noch nicht erlebt“, erinnert sich Bombala. „Da wuselten bestimmt 10.000 Menschen herum.“
Rund um die Uhr im Einsatz
Betreut wurden die Beschichtungsarbeiten über den gesamten Ausführungszeitraum von vier Anwendungstechnikern der Caparol (Shanghai), die gemeinsam mit Projektleiter Ronald Bobe vor Ort rund um die Uhr im Einsatz waren und einen reibungslosen Ablauf sicherstellten. „Bei den Beschichtungsarbeiten waren höchste Qualitätsansprüche zu erfüllen“, berichtet Bobe. Keine einfache Aufgabe, denn die charakterstiftende Beschichtung hatte es in sich: Der Untergrund besteht in erster Linie aus Beton oder Zementfaserplatten, die aufgrund ausführungsbedingter Unebenheiten zunächst mit einem Gewebe belegt und verspachtelt werden mussten. Mit einer Zahntraufel war anschließend eine weitere Spachtelschicht aufzubringen und ein Glasvlies für zusätzliche Gleichmäßigkeit der Oberflächen einzulegen. Nach zwei Tagen Trockenzeit wurden die Flächen abschließend verspachtelt, geschliffen und mit Wasser abgewaschen. Erst dann konnte mit dem eigentlichen Farbauftrag begonnen werden. Dabei wurde die leuchtend rote Spezialbeschichtung zweimal im rationellen Spritzverfahren aufgebracht. Der gewünschte Glanzgrad der Beschichtung wurde eigens für das Projekt in Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron entwickelt.
Langfristig saubere Oberflächen
Für dieses Prestigeobjekt war von den Auftraggebern eine Beschichtung gefordert, die den in Peking herrschenden extremen klimatischen Verhältnissen und Umweltbedingungen standhält, bei dem zu erwartenden Publikumsverkehr mechanisch belastbar ist und das derzeitige Optimum an Sauberhaltung darstellt. Hier kam ein Forschungsprojekt des Ober-Ramstädter Dr. Robert-Murjahn-Instituts (RMI) zum Tragen, in dem verschiedene Beschichtungen auf Verschmutzung sowie Licht- und Wetterbeständigkeit untersucht wurden, um die besten Rohstoffe für umwelt- und lichtbeständige Beschichtungen zu ermitteln. Die so entwickelte und im harten internationalen Wettbewerb unter zahlreichen Produkten diverser Hersteller ausgewählte Spezialfarbe „hat neben den obligatorischen optimalen bauphysikalischen Eigenschaften, Dauerhaftigkeit, geringe Verschmutzung und hohe mechanische Belastbarkeit auch eine besonders hohe Lichtbeständigkeit.

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